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Die Wasserstoffbombe

Dezember 1st, 2010

Wasserstoffbomben – riesige Staubsauger

Atom- und Wasserstoffbomben sind die größten Staubsauger der Welt. Ihre Wirkung ist  schlimmer als die von Hurricanes. Bei der Explosion bildet sich eine Druckwelle, die das Explosionszentrum in alle Richtungen verlässt. Also auch nach oben und nach unten. Die nach unten gehende Welle wird innerhalb kurzer Zeit am Boden reflektiert und fährt anschließend als zweite Welle nach oben. Durch diesen Effekt, durch die extreme Hitze im Explosionsherd, und durch den großen Durchmesser der auf Tausende Grad erhitzten Luft, hebt sich eine riesige Luftmasse entsprechend schnell nach oben. Um diesen Luftstrom “nachzufüllen”, muss am Boden entsprechend viel Luft in Richtung Ground Zero nachströmen.

In Hiroshima gab es durch den aufsteigenden Atompilz einen Wind in Richtung des Explosionsherdes von 120 km/h. Sämtliche Kleinteile, Schutt, Sand wurden so in den Atompilz hinaufgezogen, der Wind vertrieb diesen, und nach und nach fielen die Teile – erst die größeren, dann die kleineren, zuletzt der Staub, auf die Erde. Diese stark radioaktiv verseuchten Teile nennt man Fallout. Jede Atomexplosion in Bodennähe, die Staub hochziehen kann, produziert Fallout.

Bei der Explosion der ersten großen Wasserstoffbombe, Codename “Ivy Mike”, am 1. November 1952 beim Bikini Atoll, wurde eine kleine Koralleninsel pulverisiert und in die Luft hochgezogen. Die Explosion hatte eine Wucht von 10,4 Megatonnen, war also rund 830 Mal so stark wie die Hiroshima Bombe, was völlig absolut unvorstellbar ist. Der Feuerball hatte einen Durchmesser von 4,8 Kilometern, die in Bodennähe stattfindende Explosion riss an der Stelle, wo sich eine nette Insel befand, einen Krater mit 1,9 Kilometern Durchmesser und 50 Metern Tiefe ins Bikini Atoll. Bilder: http://www.brook.edu/fp/projects/nucwcost/mike.htm

Die Wolke, die anschliessend in den Himmel fuhr, stieg die ersten 19 Kilometer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 760 km/h nach oben. Nach 5 Minuten erreichte sie eine Höhe von 45 Kilometern, wohlgemerkt Wien-Wiener Neustadt in 5 Minuten, macht 540 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit. Das saugt ordentlich!
Die Wolke trug Fallout mit einer Masse von unvorstellbaren 80 Millionen Tonnen fein zerstäubten Korallenriffs in sich. Die Wolke verteilte diesen Fallout zum Glück im Pazifik. Innerhalb kurzer Zeit erreichte der Durchmesser des Atompilzes eine Ausdehnung von unvorstellbaren 100 Kilometern!

Bei einem weiteren, noch größeren Test 1954 (Codename “Bravo”, 15 MT) hatten sich die Amis mit dem Wind verrechnet, und viel Fallout ging auf einer 160 Kilometer entfernten Insel nieder und bedeckte diese mit einer etwa 4 cm dicken hochradioaktiven Ascheschicht, die wie Schnee wirkte und auch aus weißen, ausgeglimmten Korallenriffteilen bestand. Von den 90 zu dieser Zeit auf der Insel lebenden Kindern überlebten 5. Alle anderen starben an Leukämie oder Schilddrüsenkrebs. Kinder lagern Radioaktivität besonders in der Schilddrüse ein, das war auch bei Tschernobyl die große Gefahr.

Um den Fallout zu minimieren, begannen die Amerikaner, bei Atomtests in der Wüste von Nevada die Fläche unter den Bombenexplosionen zu betonieren, damit nicht zu viel Erde hochgezogen werden konnte. Man ging auch dazu über, die Bomben nicht mehr auf Aluminiumtürmen, sondern in Ballons schwebend zu zünden. Das Aluminium verdampfte oder schmolz, wurde hochgezogen, und im Fallout befanden sich kleine, stark strahlende Aluminiumkugeln, die heute noch in der Wüste liegen und vor sich hinstrahlen, wie auch in den nächsten 25.000 Jahren noch. Wenn eine Wolke wieder mal durch ungünstigen Wind blöd daherkam, stellten die Einwohner der nächsten größeren Stadt, es war meist St. George in Utah, “einen metallischen Geschmack in der Luft” fest. Klingt komisch, ist aber wahr. Zwei Stunden später mussten sie erbrechen, dann fielen ihnen die Haare aus, auf der freiliegenden Haut bildeten sich kleine Flecken die an Verbrennungen erinnerten, und das Verteidigungsministerium wies jede Schuld von sich und bestritt vor allem den Zusammenhang mit den Testexplosionen.

Weidende Viehherden, die Fallout abbekamen, wurden zeitweise schlimm dezimiert. Dass die Milch der dortigen Gegend stark verstrahlt war, braucht wohl nicht extra erwähnt zu werden. In St. George wurden nur wenige der damals geborenen Menschen 30 Jahre alt. Die meisten starben bereits als Kind an Leukämie oder an Schilddrüsenkrebs. Sämtliche Schadenersatzforderungen wurden von der AEC (Atomic Energy Comission) abgewiesen.

Fallout wird oft sehr weit getragen, bevor er runterkommt. Oft kommt er auch nicht freiwillig runter, sondern wird runtergeschwemmt. Durch Regen! So war es auch seinerzeit in Mitteleuropa mit der Tschernobyl Wolke, die zuerst eine Runde über ganz Europa drehte, bevor sie “ausgeregnet” wurde. Dieser “Rainout” wurde in Amerika in den 50er Jahren einmal nahe New York festgestellt, wo es plötzlich so viel Radioaktivität gab, dass sämtliche verfügbaren Messgeräte ungeeignet waren die Strahlung überhaupt noch zu messen, da die Zeiger über die Messskala hinaus ausschlugen. Grund war ein Atomtest ein paar Tage zuvor in der Wüste von Nevada, die Kleinigkeit von 3.200 Kilometern entfernt. Die Kodak Filmfabrik beschwerte sich damals bei der AEC, weil ganze Chargen von Filmen unbrauchbar wurden, da der radioaktive Fallout helle Flecken im Film verursachte.

Die Tatsache, dass die Radioaktivität sich zum Teil massiv lange in der Luft hält und Tausende Kilometer weit getragen wird, bevor sie gemächlich den Boden erreicht, war der Auslöser, dass zB Frankreich zunächst in den Weiten der Sahara Atomtests machte, und später sicherheitshalber in den Pazifik auswich. Die Engländer wählten zunächst die Südaustralische Wüste, bevor sie mit den Amerikanern gemeinsam die Christmas Inseln im Pazifik, etwa 2000 Kilometer südlich von Hawaii, als Testgebiet erkoren.

Die Chinesen haben auch eine Wüste, bei Lop Nor in Zentralchina ging es hier allerdings ein wenig härter zu. Wasserstoffbomben wurden bei den Chinesen im Gegensatz zu allen anderen Atommächten nicht über Wasser getestet, sondern über der Wüste. Dass dabei unglaublich viel Sand hochgetragen wurde, merkte man bei einem Test in den 60er Jahren, als der Fallout nach Osten zog. Quer über China, über Japen, über den Pazifik rüber, über Kanada und die USA, weiter über den Atlantik, und dann noch Teile Englands, Frankreichs und Skandinaviens verseuchte!

Der größte Atomtest der Geschichte, als Russland am 30. September 1961 auf Novaya Semlya eine 58 Megatonnen starke Wasserstoffbombe [6000 Mal Hiroshima] zündete, hatte interessante Effekte. Die in 4.000 Metern Höhe überm Meer explodierte Bombe verursachte eine Flutwelle, die zweimal rund um die Erde ging. Radioaktivität wurde auf der gesamten Nordhabkugel gemessen. Der Pilot des abwerfenden Flugzeuges wurde in Russland als Staatsheld gefeiert, hatte er doch keinen einfachen Job. Denn nach dem Abwurf musste er vor der Wucht und Hitze der Explosion flüchten! Damit er möglichst viel Zeit für die Flucht hatte, ließ man die Bombe an Fallschirmen runtergleiten. Die Fallschirme alleine wogen 27 Tonnen!

Seit 1963 testeten die Großmächte nur mehr unterirdisch. Frankreich, Indien und China detonierten ihre Bomben hingegen weiterhin noch einige Zeit oberirdisch. Den letzten oberirdischen Versuch machte China 1980 in der Wüste von Lop Nor, seither finden alle Explosionen unter der Erde statt.

Ach ja, ein kleines Episödchen noch. Pakistan machte doch im Jahr 1999 zum Entsetzen Indiens einen Atomversuch, um einfach zu testen ob die bis dorthin erdachten und experimentell gebauten Atomwaffen funktionieren würden. Es handelte sich dabei nicht um eine Explosion, sondern gleich um FÜNF synchron ausgeführte Explosionen von Bomben unterschiedlicher Stärken und unterschiedlicher Technologien. Aufgrund des genauen Monitorings der Großmächte und der notwendigen Tarnung (war das ihre einzige Bombe oder haben sie noch eine?) musste man dafür sorgen, dass die Seismographen nur einen Ausschlag zeigen, und diesen auch möglichst schwach. Der Testtunnel wurde daher in einen Berg hinein getrieben. Dadurch waren die Ausschläge auf den weltweiten Seismographen schwächer als sie aufgrund der Explosion eigentlich hätten sein müssen.

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319 Responses to “Die Wasserstoffbombe”

  1. miyazyn

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