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Gibt es Leben außerhalb der Erde? Science-Fiction-Autoren und andere träumen seit Jahrhunderten von anderen Welten, die der Erde gleichen und die von intelligenten Lebenwesen bevölkert sind. Seit den 60er Jahren wird das Thema auch zunehmend bei Wissenschaftlern populär, und Forschern wie Frank Drake oder Carl Sagan ist es zu verdanken, dass heute offiziell nach Außerirdischen gesucht wird.

Die Astronomie hat uns in den letzten Jahrhunderten eindrucksvoll gezeigt, dass das Universum gigantisch ist, angefüllt von Abermilliarden Galaxien, die wiederum aus Milliarden von Sternen und anderen kosmischen Wundern bestehen. Und erst recht die Entdeckung zahlreicher extrasolarer Planeten legt den Schluß nahe, dass die Erde nur eine von unzähligen Welten in dieser und in anderen Galaxien sein muß. Welten – so zahlreich wie der Sand am Strand eines Meeres. Da drängt sich die Frage auf: sind wir Menschen allein? Gibt es noch andere Lebewesen, die auf fernen Planenten leben und sich die gleichen oder ähnliche Fragen über ihre Stellung im Universum stellen? Bislang wurden dafür noch keine Beweise gefunden, die Erde ist der einzige Planet in unserer Galaxie, auf dem Leben in einer ungeahnten Vielfalt nachweisbar ist. Und doch gibt es zumindest Indizien dafür, dass unsere Galaxie vor Leben übersprudelt.

Voraussetzungen für Leben

  • Man braucht einen Zentralstern, der ungefähr die Masse der Sonne hat
  • eine bestimmte Masse – ist sie zu groß, wird alles Leben erdrückt bzw. ist die Temperatur zu hoch; ist sie zu klein, kann der Planet keine Atmosphäre halten
  • eine bestimmte Temperatur: D.h. Wasser darf nicht gefrieren und nicht kochen – der Planet muss also eine bestimmte Entfernung von der Sonne haben (bewohnbare Zone) und er muss ausgekühlt sein, also eine feste Oberfläche haben.
  • Er braucht einen benachbarten Gasriesen, ähnlich dem Jupiter oder Saturn.
  • Dieser Planet darf nicht zu nah sein, so dass der den Planeten nicht aus seiner Bahn wirft. Aber er muss nah genug sein, um Asteroiden und Meteoriten durch seine Schwerkraft anzuziehen und von dem bewohnbaren Planeten abzulenken.
  • Er braucht eine konzentrische Bewegung um die Sonne (keine elliptische) und er muss mit einer gewissen Geschwindigkeit rotieren – so bleibt er stabil in der Bahn, und keine Seite ist auf Dauer extremen Temperaturen ausgesetzt.
  • Er braucht Plattentektonik bzw. Konvektionsströme, damit laufend Nährstoffe aus der Tiefe an die Oberfläche gelangen.
  • Er braucht genügend CO2, damit Pflanzen auf ihm siedeln können, die wiederum die Atmosphäre mit Sauerstoff anreichern.

Indizien für außerirdisches Leben

Welche Indizien sprechen für die Existenz außerirdischen Lebens? Macht man sich klar, dass darunter nicht nur “kleine grüne Männchen” zu verstehen sind, sondern bereits einfachste Lebensformen, so kommt schon eine beachtliche Liste zusammen:

1. Zwar sind nur etwa 5 % aller Sterne in unserer Galaxie vom Sonnentypus – aber bei 400 Milliarden Sternen sind das immer noch 20 Milliarden Sterne – also Gelegenheit genug für die Evolution von Leben. Selbst Doppelsterne kommen hier in Betracht. Voraussetzung ist jedoch, dass die Sterne so weit voneinander entfernt sind, dass erdähnliche Planeten eine stabile Umlaufbahn halten können.

2. Seit 1991 wissen wir, dass es auch anderswo in unserer Milchstraße Planetensysteme gibt. Zwar hat man bislang noch kein Spiegelbild unseres Sonnensystems entdeckt, doch haben die Astronomen erst einen verschwindend geringen Teil der Sterne untersucht. Jedoch: Planeten sind eine Grundvoraussetzung für die Entstehung von Leben. Betrachtet man sich die bislang entdeckten Planetensysteme, sieht es allerdings düster aus. Keiner dieser Planeten ist ein geeigneter Ort für die Enstehung von Leben. Damit sich Lebensformen entwickeln können, bedarf es zunächst eines langlebigen Sterns, der einem Planeten in richtiger Entfernung optimale Bedingungen für die Evolution von Lebensformen bietet. In der Regel sind das sonnenähnliche Sterne wie beispielsweise Alpha Centauri oder 18 Scorpii. Das allein reicht aber wahrscheinlich nicht aus. Der Astronom George Wetherill stellte die Theorie, dass nur in einem Planetensystem, das einen “Jupiter” besitzt (also einen großen Gasriesen in etwa 5 AU Entfernung), überhaupt hochentwickelte Lebensformen entstehen können. Wetherill ist der Ansicht, dass Jupiter und auch Saturn in unserem Sonnensystem als “Kometenstaubsauger” wirken und so zahlreiche Kometen, die auf dem Weg in das innere Sonnensystem sind, ablenken oder sogar anziehen – im Sommer 1994 wurde das durch den Einschlag des Kometen Shoemaker-Levy 9 auf dem Jupiter eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Fehlt also ein entsprechender Gasriese, dann gelangen weit mehr Kometen in die inneren Bereiche eines Planetensystems und können dort weitaus mehr Verwüstungen anrichten. Es erscheint zweifelhaft, ob sich dann so komplexe Lebensformen wie auf der Erde entwickeln können. Bislang konnten nur bei zwei Sternen solche Gasriesen nachgewiesen werden, bei Lalande 21185 und bei Upsilon Andromedae. Doch sollte man die Hoffnung nicht aufgeben, schließlich stehen wir erst ganz am Anfang der Suche, und in der Galaxie gibt es immerhin noch bis zu 400 Milliarden Sterne zu erforschen.

3. Astronomen haben bereits viele junge Sterne entdeckt, die von protoplanetaren Scheiben umgeben sind – beispielsweise AB Aurigae, Beta Pictoris oder HR 4796 A. Immerhin: 50% aller jungen Sterne haben solche Scheiben ausgebildet. Das könnte bedeuten, dass auch 50% aller Sterne unserer Galaxie von Planeten umkreist werden, so dass Planeten in der Galaxie etwas alltägliches sind.

4. David Stevenson vom CalTech hat die These aufgestellt, dass die Sonne in der Frühzeit ihrer Entwicklung von mehreren Erden umgeben gewesen sein könnte, sich jedoch nur eine in einer stabilen Umlaufbahn um die Sonne halten konnte. Die übrigen Planeten, so vermutet Stevenson, sind in den interstellaren Raum abgedriftet, doch könnte es auf ihnen einfache Lebensformen geben. Stevenson glaubt, dass diese Planeten von einer dichten Wasserstoff-Atmosphäre umgeben sind und genug Wärme durch Vulkanismus produziert wird – genug Wärme selbst für Ozeane voller Wasser. Bislang konnte keiner dieser Planeten entdeckt werden, man wird es wohl nach dieser langen Zeit auch nicht mehr können, doch glaubt Alan Boss von der Carnegie Instution in Washington DC, dass es unzählige solcher Planeten aus den verschiedensten Sonnensyxtemen im interstellaren Raum geben könnte. Andere Wissenschaftler bezweifeln nicht, dass in der Frühzeit des Sonnensystems Planeten aus dem System herausgeschleudert wurden, allerdings ist zweifelhaft, ob solche Planeten eine Atmosphäre besitzen und überhaupt in der Lage sind, selbst einfachste Lebensformen zu erhalten.

5. Die Forschung der letzten Jahrzehnte hat ergeben, dass in interstellaren Gas- und Staubwolken eine regelrechte kosmische Bioküche brodelt. Solche Wolken befinden sich beispielsweise in Richtung des galaktischen Zentrums oder im Perseus-Arm unserer Galaxie. Hier konnte der Wissenschaftler Russ Taylor den Nachweis erbringen, dass in interstellaren Wolken primitive Moleküle gedeihen. Motor des Ganzen ist eine Supernova. Anderen Forschern gelang der Nachweis organischer Moleküle in fremden Galaxien wie dem Andromedanebel oder dem Sternensystem NGC 253. 1987 entdeckten hier Astronomen Alkohol – wenn auch weit unter der gefährlichen Promillegrenze. Organische Moleküle fanden sich auch im Orion-Nebel M 42. Hier befindet sich der sogenannte “Orion-Balken”, in dem man polyzyklische aromatische Kohlenwassserstoffe (sog. PAH) nachweisen konnte. Wissenschaftler wie der brillante und umstrittene britische Astronom Sir Fred Hoyle nehmen an, dass Lebenskeime aus interstellaren Staub- und Gaswolken auf Planeten gelangen können und dort bei günstigen Bedingungen zur Entstehung des Lebens beitragen. Ob diese “Panspermien”-Theorie nun zutrifft oder nicht – sicher ist, dass in unserer Milchstraße eine unerwartet komplexe Bioküche an den Fundamenten des Lebens arbeitet.

6. Auch unser Sonnensystem bietet Überraschungen. So präsentierten 1996 amerikanische Wissenschaftler das sensationelle Ergebnis jahrelanger Forschung: auf dem Mars muß es zumindest in der Frühzeit vor etwa 3 Milliarden Jahren einfache Lebensformen gegeben haben. Andere Wissenschaftler kritisierten dies heftig und stellten im Gegenzug die Theorie auf, bei den angeblichen Lebensspuren vom Mars handele es sich um das Produkt anorganischer Vorgänge. “Stein des Anstoßes” ist ein Meteorit vom Mars – ALH 84001 – in dessen Inneren NASA-Wissenschaftler Hinweise auf PAH’s gefunden haben – für sie der Beweis von Leben. Heute ist der Mars eine tote, wüste Welt, doch könnte sich möglicherweise an den Polen des Roten Planeten noch ein Rest dieser Lebensformen erhalten haben. Interessanter könnten dagegen einige Monde des Jupiter sein. So umgibt beispielsweise den Jupitermond Europa eine dicke Eisschicht. Darunter, so vermuten manche, könnte sich ein Ozean flüssigen Wassers befinden – und wo Wasser ist, da ist das Leben nicht mehr fern. Gleiches wird neuerdings auch für die Jupitermonde Ganymed und Kallisto angenommen. Läge unter den Eispanzern dieser Monde wirklich ein Ozean flüssigen Wassers und hätte sich auf jedem dieser Monde Leben entwickelt, so könnten die Wissenschaftler an drei dicht beieinanderliegenden Orten drei völlig unterschiedliche Evolutionen untersuchen. Auch der Saturnmond Titan ist von großem Interesse. Zwar ist es an seiner Oberfläche bitterkalt (- 200 Grad Celsius), doch hat die Atmosphäre dieses Mondes einen hohen Anteil an Stickstoff. Das, das Vorkommen von Methan und die rötliche Färbung der Wolkenschichten deuten darauf hin, dass dort so manche organische Substanz das Licht der Welt erblickt hat.

Dies sind 6 Argumente für das Leben. Eigentlich müßte es also in der Milchstraße nicht nur so von Leben wimmeln, es müßten sogar Außerirdische die Erde bereits besucht haben. Immerhin ist die Galaxie etwa 15 Milliarden Jahre alt – Zeit genug für die Evolution von Aliens und ihren Flug zu den Sternen. Aber – sie sind bislang nicht hier gewesen. Wo, will man mit dem Nobelpreisträger Enrico Fermi fragen, sind sie? Denkbar sind folgende Alternativen:

1. Es gibt sie nicht. Denkbar wäre, dass sich nur auf der Erde höheres und intelligentes Leben entwickelt hat – in der übrigen Galaxie gibt es nur einfache Lebensformen. Mehrere Gründe könnten gegen die Existenz anderer intelligenter Lebensformen sprechen. Einige sollen hier aufgezählt werden:

Hypernovae. Dabei handelt es sich um gewaltige kosmische Explosionen, die hundertfach mehr Energie freisetzen als Supernovae. Begleitet werden sie von heftigen Gammablitzen. In unserer Galaxie fand man bislang keine Spuren einer Hypernova, doch entdeckten Astronomen in der Galaxie M 101 zwei Überreste solcher Hypernovae – gewaltige Trümmerwolken, die enorme Mengen an Röntgenstrahlung aussenden. Ursächlich für Hypernovae können massive Sterne von über 40 Sonnenmassen sein. Würde sich eine solche Katastrophe in unserem Milchstraßensystem ereignen, würde durch das gigantische Gammastrahlengewitter jegliches Leben in der Milchstraße auf einen Schlag vernichtet werden. Manche Astronomen haben den Verdacht, dass der Stern Eta Carinae möglicherweise in einer Hypernova verglühen wird – unerfreuliche Aussichten. Aber andere Astronomen sind da skeptisch, sie glauben, nicht jeder massive Stern muß in einer gewaltigen Explosion enden, und Eta Carinae zeigt Anzeichen dafür, dass er nicht in einer Hypernova verglüht – was zu wünschen wäre.

2. Nur unser Sonnensystem ist optimal für die Entstehung intelligenten Lebens. Unser Sonnensystem ist ein Exot unter den Sonnensystemen in der Galaxie, es ist eines der ganz wenigen, das ausreichend Voraussetzungen für die Evolution des Lebens bietet, da sich einmal die felsigen, terrestrischen Planeten – und mit ihnen die Erde – dicht an der Sonne befinden, während die großen Gasriesen weiter draußen ihre Bahnen ziehen und zahlreiche Kometen daran hindern, dem inneren Sonnensystem zu nahe zu kommen. Trotz aller Suche nach extrasolaren Planetensystemen – ein dem unsrigen vergleichbares wurde bislang nicht gefunden. Statt dessen handelt es sich bei der überwiegenden Zahl extrasolarer Planeten um sogenannte “Pegasianische Planeten”, also Welten, die trotz ihrer Größe – sie haben mindestens die Hälfte der Jupitermasse – sehr dicht um ihre Sonnen kreisen. Betrachtet man sich unser Sonnensystem, so fallen die große Lücke auf, die einmal zwischen Mars und Jupiter und dann zwischen den übrigen Gasriesen bestehen. Hier konnten sich keine Planeten bilden, da die enorme Gravitation der Gasriesen, insbesondere die des Jupiters, die Entstehung von Planeten verhinderte. Man kann also davon ausgehen, dass auch die massereichen Pegasianischen Planeten die Entstehung weiterer Planeten im Umkreis mehrerer AU verhindern. Eine zweite Erde wird man also bei 51 Pegasi oder Upsilon Andromedae nicht finden. Bleibt die Hoffnung, dass einige Gasriesen, die sich in ausreichendem Abstand zu ihrer Sonne befinden, Monde haben, auf denen sich vielleicht Leben entwickelt hat. Ein hübscher, aber spekulativer Gedanke. Und selbst wenn es solche Monde gibt, so könnte das Leben dort einen schweren Stand haben: Astronomen vermuten nämlich, dass es auf Sternen, die sehr dicht von einem jupitergroßen Planeten umkreist werden, zu “Superflares” kommen kann, gewaltigen Ausbrüchen, die alles in den Schatten stellen, was wir von der Sonne kennen: würde sich auf ihr ein Superflare ereignen, würde dies sogar das Eis auf den Jupitermonden schmelzen lassen. Die Erde würde bei einem solchen Ereignis sterilisiert werden. Sind Pegasianische Planeten die Regel und Sonnensysteme wie das unsrige die Ausnahme? Bislang sieht es so aus, doch suchen wir erst seit 1995 intensiv nach extrasolaren Planeten. Angesichts unserer derzeitigen Technologie und der enormen Anzahl von Sternen in der Galaxie haben die Astronomen bisher nur einen verschwindend kleinen Bruchteil der Sterne untersucht. Warten wir also weitere Forschungsergebnisse ab.

3. Anthropisches Prinzip: Mit dem von Barrow und Tipler 1986 entwickelten kosmologischen anthropischen Prinzip wird im Anschluß daran die Unwahrscheinlichkeit menschlicher Existenz belegt. Dieser Ansatz ist das Ergebnis jahrzehntelanger erfolgloser Bemühungen, der Drake-Formel eine plausible Lösung abzuringen. In seiner schwachen Ausprägung ist das Anthropische Prinzip ist unumstritten: Wenn wir in dieser Welt sind, um sie zu beobachten, muß sie so beschaffen sein, dass wir in ihr existieren können, d.h., alle Naturgesetze und Konstanten ermöglichen erst das Leben. Ändert man ein Naturgesetz oder eine Konstante, entsteht wahrscheinlich ein Universum, das völlig lebensfeindlich wäre. Soweit kann Tipler und Barrow noch gefolgt werden. Eigenartig mutet aber der Gedankengang an, wenn mit diesem richtigen und grundlegenden Prinzip argumentiert wird, außer uns könne es keine weitere Intelligenz in unserer Galaxie geben. Tipler und Barrow gehen davon aus, dass sich intelligentes Leben nur auf Planeten entwickeln kann, die einen sonnenähnlichen Stern umkreisen. Diese Sterne haben eine Lebensdauer von etwa 10 Milliarden Jahren. Davon abhängig ist die Entwicklung intelligenten Lebens. Zwei Möglichkeiten gibt es: entweder, die Evolution der Intelligenz ist wesentlich kürzer als 10 Milliarden Jahre oder aber sie ist wesentlich länger als 10 Milliarden Jahre. Wendet man auf die erste Alternative das Prinzip der Mittelmäßigkeit an, dann müßte es bereits vor sehr langer Zeit auf der Erde Menschen gegeben haben – das ist aber nicht der Fall, der Mensch trat erst 3,8 Milliarden Jahren Evolution auf der Erde auf. Das Problem dabei ist, dass hier unsere Evolution als Maßstab genommen wird, was, wie Carl Sagan bereits in “Cosmos” schrieb, aber überhaupt nicht der Fall sein muß. Warum soll es nicht Intelligenzen geben, deren Evolution viel gradliniger als unsere verlief und die bereits 2 Milliarden Jahre nach Bildung der ersten Lebensformen entstanden waren? Doch folgen wir Walter weiter und schauen wir uns die zweite Alternative an. Sie besagt, die Evolutionszeit der Intelligenz sei wesentlich länger als 10 Milliarden Jahre. Das hat nicht zu bedeuten, dass sich intelligente Lebensformen immer so lange entwickeln, es kann, je nach Evolution, auch schneller gehen – wir sind ein gutes Beispiel dafür. Nimmt man an, es gibt 5×107 Planeten in der Galaxie, auf denen Leben entstanden ist, dann wäre die Wahrscheinlichkeit, dass sich auf einem dieser Planeten Intelligenz entwickelt, geringer als 2×10-3. Das bedeutet: Außer uns gibt es in dieser Galaxie keine weiteren intelligenten Lebensformen. Folgt man Tipler und Barrow, darf Intelligenz erst nach der mittleren Lebensdauer eines sonnenähnlichen Sterns auftreten, also nach etwa 5 Mrd. Jahren. Das, so wird argumentiert, sei die Antwort auf die Frage, warum der Mensch gerade jetzt, in der gegenwärtigen Evolutionsstufe des Universums entstanden ist. Und weil die Entstehung weiterer Intelligenzen rechnerisch nahezu unwahrscheinlich sei, gäbe es in unserer Galaxie keine weiteren Intelligenzen. Das Problem dabei ist, dass unsere Evolution als Maßstab für die Evolution auf anderen Planeten genommen wird, ja, man sogar von einer sehr viel längeren Evolution ausgeht. Wie gesagt – wir wissen derzeit nicht, ob es Lebensformen auf Planeten ferner Sonnensysteme gibt, wir kennen nur unsere Erde mit der Evolution ihrer Lebensformen. Doch ist es wohl nicht angebracht, diese als generelles Modell zu nehmen, denn die Evolution auf der Erde wurde nicht zuletzt auch durch diesen Planeten geprägt. Wenn uns die Erforschung des Universums etwas gezeigt hat, dann ist es der Umstand, dass es uns immer wieder überrascht hat und alte, liebgewonnene Theorien über den Haufen geworfen werden mußten. Hinzu kommt – und hier kann man es drehen und wenden, wie man will: Das anthropische Prinzip ist der Versuch, nach einer irgendwie privilegierten Stellung des Menschen in unserer Galaxie oder dem Universum zu suchen, ein Abglanz des menschlichen Bemühens, sich zur Krone der Schöpfung zu erklären, als Maßstab allen Seins. Carl Sagan weist in seinem Buch “Pale Blue Dot” zu recht darauf hin, dass zwischen dem Anthropischen Prinzip und dem geozentrischen Weltbild eines Ptolemäus ein unmittelbarer Zusammenhang besteht.

4. Es gibt sie nicht, denn wenn es sie gäbe, müßten sie längst hier sein. Einige Forscher nehmen an, dass eine außerirdische Zivilisation, wenn sie denn einmal die Fähigkeit zum interstellaren Raumflug erlangt hat, die Galaxie kolonisieren müßte. Eine uns weit überlegene, ältere Zivilisation müßte demnach schon längst hier sein – doch da dies nicht der Fall ist, gibt es sie nicht. Dieser scheinbar so logischen Argumentation liegt folgender Gedankengang zugrunde: Nimmt man an, die Galaxie hat etwas mehr als 100 Milliarden Sterne und ein Raumschiff braucht 500 Jahre zu dem nächsten Stern, dann wäre die Galaxie in etwa 50 Millionen Jahren kolonisiert. Gäbe es viele Zivilisationen, dann müßte die Galaxie durchweg kolonisiert sein und die Außerirdischen wären hier zwangsläufig aufgetaucht. Doch so logisch dieser Ansatz auch sein mag, überzeugend ist er nicht. Wer sagt denn, dass jede Zivilisation zwangsläufig die Galaxie durch und durch kolonisieren muß? Selbst wenn wir es uns für die Menschheit vorstellen könnten, heißt das noch nicht, dass andere Intelligenzen genauso denken. Vielleicht aber würden sie sich auch mit einem relativ gut abgrenzbaren, kleinen Raumbereich begnügen? Oder vielleicht bietet der umliegende Raum keine Kolonisierungsmöglichkeiten? Vielleicht läge der nächste, erdähnliche und kolonisierbare Planet von der Erde aus gesehen in etwa 80 Lichtjahren Entfernung, während alle übrigen, dazwischenliegenden Systeme entweder lebensfeindlich sind oder nur als Bergbaukolonie taugen? Würden wir diesen Planeten kolonisieren wollen? Zunächst wäre es, schon vom ökonomischen Standpunkt aus, sinnvoller, das eigene Planetensystem zu kolonisieren, bevor man sich auf den kostspieligen und langen Weg zu den Sternen macht. Als nächstes muß man sich die Frage stellen, warum Zivilisationen ihr Planetensystem verlassen sollten, um andere Welten zu kolonisieren. Hier lassen sich mehrere Gründe denken, unter anderem der bevorstehende Tod der Heimatsonne, der zum Exodus der gesamten Rasse führen würde (Obgleich man hier vermuten könnte, dass eine entsprechend fortschrittliche Zivilisation den Tod ihrer Sonne verzögern könnte). Sir Arthur C. Clarke hat dieses Motiv als Hintergrund für seinen Roman “Die Lieder der fernen Erde” genommen, in dem die Sonne zur Nova wird und die Menschen dazu nötigt, nach neuen Welten Ausschau zu halten. Bezüglich der Kolonisierung zieht der Astronom und SETI-Mitarbeiter Seth Shostak Vergleiche zur Kolonisierungsprojekten in unserer Geschichte:

Bis 1492 haben die Europäer keine Kolonisierungsbestrebungen gezeigt, obgleich sie dazu längst in der Lage waren. Es könnte demnach sein, dass Zivilisationen, die ihre galaktische Nachbarschaft kolonisieren könnten, überhaupt kein Interesse daran zeigen, sondern sich auf ihr eigenes Planetensystem konzentrieren.

Nachdem Columbus 1492 Amerika erreicht hatte, erreichte die Kolonisierungswelle einen ungeahnten Schwung. Bereits dreißig Jahre später waren Spanier und Portugiesen an allen Küsten der neuen Welt. Dies könnte dafür sprechen, dass eine einmal begonnene Kolonisierung durch Außerirdische sehr schnell vorangeht. Dabei darf man allerdings nicht vergessen, dass die Spanier von zwei Motiven angetrieben wurden: Der Verbreitung des Christentums und dem Gold, das sie in Mittel- und Südamerika reichlich fanden. Derartige Motive bei Außerirdischen anzunehmen, ist unzulässig, da wir keine außerirdische Zivilisation kennen und uns über ihre – möglicherweise völlig anderen – Beweggründe keine Vorstellungen machen können. Unsere Geschichte weist auch Beispiele auf für imperialistische Aktivitäten, die zwar zunächst in Schwung kamen, denen dann aber die Luft ausging. Beispielsweise die Polynesier: Sie hüpften von einer Pazifik-Insel bis zur nächsten, besiedelten sie und zogen von dort aus weiter – eine passende Analogie zur Besiedelung der Galaxie. Doch irgendwann verloren die Polynesier die Lust am Kolonisieren, sie erreichten jedenfalls nicht die amerikanischen Küsten, um sich dort niederzulassen. Denkbar wäre, dass es bei einer außerirdischen Zivilisation ähnlich gelaufen ist, sie vielleicht ein Imperium mit einem Durchmesser von mehreren tausend Lichtjahren gegründet haben, aber dann in einigen hundert Lichtjahren Entfernung von uns schlichtweg den Schwung verloren haben.

Beispiel China: Im 15. Jahrhundert bauten die Chinesen eine großangelegte Erkundungs- und Eroberungsflotte. Doch kurz darauf kam in Peking ein neuer Kaiser an die Macht, dessen Interesse mehr nach Innen als auf Expansion gerichtet war. So wurde die ganze schöne Flotte wieder eingestampft.

Beispiel Ägypten: die Ägypter gründeten eine der fortschrittlichsten Kulturen der Antike, doch haben sie, anders als die Griechen, keine Kolonisierungsbemühungen unternommen. Es gab zwar zwei berühmte Reisen (Nach Punt unter Hatchepsut im 15. Jhdt. v. Chr. und um ganz Afrika unter Pharao Necho im 7. Jhdt. v. Chr.), aber Niederlassungen außerhalb Ägyptens wurden nicht gegründet. Denkbar wäre also, dass eine außerirdische Zivilisation Interesse daran hat, ihre galaktische Nachbarschaft zu erkunden, aber keine Kolonien gründen wird. Berücksichtigt man die großen Entfernungen, die zwischen den einzelnen Zivilisationen bestehen dürften, verwundert es nicht, wenn “sie” hier noch nicht aufgekreuzt sind.

Diese Gründe sind natürlich keine ernsthafte Antwort auf die Frage “Wo sind sie?.” Sicher mögen einige Zivilisationen mit ihren Kolonisierungsprojekten in einer Sackgasse enden, doch es mag andere geben, die sich ähnlich expansiv und rücksichtslos ausbreiten, wie es die europäischen Kolonisten seit dem 15. Jahrhundert getan haben. Diese müßten also hier in unserem Sonnensystem anzutreffen sein, sind es aber nicht. Die Antwort mag in den großen Entfernungen in der Galaxie und den Schwierigkeiten liegen, die ein interstellarer Raumflug mit sich bringt. Wir Menschen können uns die riesigen Distanzen in unserer Milchstraße nicht vorstellen, bereits das Sonnensystem macht da Schwierigkeiten, und selbst auf der Erde fällt es schwer, sich Entfernungen von mehreren tausend Kilometern wirklich begreiflich zu machen. Der Mensch durchforscht derzeit das Sonnensystem. Die Distanzen sind hier bereits so groß, dass diese Forschung mit der gegenwärtigen Technologie Jahrzehnte in Anspruch nimmt. Und die Sterne? Alpha Centauri, das nächstgelegene Sternensystem, ist 4.5 Lichtjahre entfernt. In galaktischen Maßstäben ein Katzensprung, für uns jedoch unerreichbar. Nehmen wir an, die Sonne hat einen Durchmesser von 1.4 cm. Die Erde würde sie in einem Abstand von 1.5 Metern umkreisen, Jupiter in 8 Metern Entfernung und Pluto in 59.10 Metern – ein überschaubares Modell. Der Mond wäre hier von der Erde übrigens 0.34 cm entfernt. Wie weit wäre Alpha Centauri entfernt? Etwa 450 Kilometer, wobei wir bereits in 430 km Entfernung auf Proxima träfen. Barnards Stern wäre 560 km, Sirius 820 km entfernt. Und 18 Scorpii, einen Sonnenzwilling, würden wir in einer Entfernung von etwa 8000 km antreffen. Reduziert auf den irdischen Maßstab wirken diese Entfernungen nicht beeindruckend, lassen sie sich doch problemlos mit dem Auto oder dem Flugzeug bewältigen. Doch wenn man sich einmal bewußt macht, dass wir derzeit gerade mal in der Lage sind, uns mit Raumsonden in einem Durchmesser von 120 Metern zu bewegen und mit bemannten Raumfahrzeugen gerade mal eine Distanz von 0.34 cm überwunden haben, dann wird klar, welche ungeheuren Aufgaben auf uns zukommen, wenn wir zu den Sternen reisen wollen. Die riesigen Entfernungen machen den bemannten interstellaren Raumflug zu einer gefährlichen und vor allem irsinnig teuren Unternehmung. Wenn wir Menschen eines Tages unsere Nachbarsonnen erkunden, werden wir das nicht mit bemannten Raumschiffen, sondern mit Raumsonden tun. Um das Wagnis des bemannten Fluges auf sich zu nehmen, bedarf es schon besonderer Gründe. Ein solcher wäre vielleicht der Tod der Sonne in einigen Jahrmilliarden (wenn es dann überhaupt noch irgendeine Zivilisation in unserem Planetensystem gibt). Zunächst werden wir uns mit der Besiedelung des Sonnensystems begnügen. Außerirdische Zivilisationen mögen sich ähnlich verhalten. Zwar können wir uns über ihre Motive keine Vorstellungen mache, doch auch die Außerirdischen müssen mit den für sie vorhandenen Ressourcen auskommen. Sie werden sie wohl zunächst für dringlichere Probleme einsetzen, anstatt in der Galaxie herumzuschippern. Vorstellbar ist allerdings, dass sie Raumsonden aussenden, um interessante Sterne zu erkunden. dass ist auch der Grund, warum der SETI-Mitarbeiter Allan Tough seine Kollegen aufgefordert hat, im neuen Jahrtausend verstärkt nach der Präsenz solcher Sonden im Sonnensystem zu suchen.

5. Es gibt sie und sie waren bzw. sind hier. Beweise für diese Vermutung gibt es nicht, und so manches Indiz, das hierfür zusammengetragen wurde, hat sich in den letzten Jahren in Wohlgefallen aufgelöst. Leider wird auf diesem Sektor, der weniger von Wissenschaftlern als von “Sonntagsforschern” betrieben wird, mehr herumspekuliert als wirklich geforscht. Mit sinnvollen Ergebnissen darf daher kaum gerechnet werden.

6. Wenn es sie gibt und sie hier waren oder hier sind, warum machen sie sich nicht bemerkbar? Denkbar wäre, dass sich eine oder mehrere Zivilisationen in einer Art galaktischer Club zusammengefunden haben und sie entscheiden, wann sie Kontakt mit einer jüngeren Zivilisation aufnehmen. Carl Sagan hat diesen Gedanken in “Unser Kosmos” angedacht und in seinem Roman “Contact” ausgemalt. Aber vielleicht kommt es nicht zu einem plötzlichen Kontakt, sondern es findet eine langsame Konditionierung statt, und zwar durch sorgfältige Ausgabe von Informationsbruchstücken.

7. Es gibt sie – aber sie waren noch nicht hier. Das impliziert wiederum mehrere Möglichkeiten: Entweder erreicht eine Zivilisation ein bestimmtes technologisches Stadium in ihrer Entwicklung, zerstört sich jedoch selbst, bevor sie zu den Sternen aufbrechen kann; oder: Zivilisationen sind nicht an einer Kolonisierung der Galaxie interessiert, erforschen vielleicht nahegelegene Sternensysteme, halten sich aber von einer Durchquerung des kosmischen Ozeans zurück. Dafür könnte die Annahme einiger Wissenschaftler sprechen, dass Zivilisationen so weit voneinander entfernt sind, dass ein Besuch anderer Kulturen nicht in Frage kommt. Shostak stellt die Vermutung auf, dass die Besiedlung unserer Galaxie mit der der USA vergleichbar sein könnte: In den Vereinigten Staaten gibt es urbanisierte Zentren, große Ballungsräume, in denen Millionen Menschen leben; auf der anderen Seite gibt es dort aber auch öde Gegenden, beispielsweise in Nevada, Utah oder Montana, wo man meilenweit reisen muß, um den nächsten Menschen zu treffen. Es wäre also denkbar, dass es auch in unserer Galaxie wahre “Ballungsräume” gibt, in denen mehrere Zivilisationen nebeneinander existieren, vergleichbar der dichtbevölkerten Galaxie in “Star Trek”; ebenso könnte es dünnbesiedelte Regionen geben, beispielsweise jenen Bereich der Milchstraße, in dem sich derzeit die Sonne aufhält. Analog zu Nevada oder Utah müßte man also tausende von Lichtjahren reisen, um zur nächsten Zivilisation zu gelangen. Ein Unterschied besteht aber doch: In den USA können die Menschen aus Nevada mit denen aus New York oder Kalifornien problemlos in Kontakt treten; In unserer Milchstraße mag es in 100.000 Lichtjahren Entfernung, genau auf der gegenüberliegenden Seite, ein galaktisches Ballungszentrum aus zahllosen Zivilisationen geben – wir würden aufgrund der riesigen Distanz davon niemals etwas erfahren.

Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit, die die STSCI-Mitarbeiter Villard und Livio in die Diskussion eingebracht haben. Sie glauben, dass die Galaxie erst “jetzt”, also seit etwa 3 Milliarden Jahren, die optimalen Voraussetzungen für die Evolution höherer Lebensformen bietet. Erst seit 3 Milliarden Jahren also hat das Leben in unserer Milchstraße die Chance, sich richtig zu entwickeln, so dass jetzt theoretisch zahllose junge technische Zivilisationen in der Milchstraße existieren könnten. Auf die Frage, warum sie nicht hier sind, meint Livio, dass es nicht korrekt wäre, unsere menschlichen Eigenschaften auf Außerirdische auszudehnen. Nur weil wir neugierig sind und einen ausgeprägten Drang haben, uns “auszudehnen”, müssen andere Zivilisationen das nicht auch so sehen. Livio legte seiner These die Annahme zugrunde, dass Kohlenstoff, der Grundbaustein des Lebens, erst vor etwa 3 Milliarden, frühestens vor 7 Milliarden Jahren, in so ausreichenden Mengen vorhanden war, dass sich Leben bilden konnte. Bis dahin mußten Generationen schwerer Sterne in Supernovae verglühen, um genügend Kohlenstoff freizusetzen.

Doch können sich außerirdische Zivilisationen nicht in der gesamten Galaxie ansiedeln. Ähnlich wie unser Sonnensystem besitzt auch die Milchstraße eine Ökosphäre. Sie hat einen Durchmesser von etwa 1500 Lichtjahren und ist durchschnittlich 30.000 Lichtjahre vom galaktischen Zentrum entfernt. In dieser Zone gibt es nur wenig oder gar keine tödliche Strahlung, dafür aber genügend schwere Elemente, aus denen erdähnliche Planeten gebildet werden könnten. Allerdings gibt es gelegentlich in Spiralarmen gefährliche Zonen, nämlich dort, wo aus kosmischen Brutstätten neue Sterne entstehen. Manche dieser Sterne sind massereich, schnellebig und verglühen in Supernovae. Je näher man dem galaktischen Zentrum kommt, desto mehr nimmt die tödliche Röntgen- und Gammastrahlung zu. In der “Bulge”, jener Wölbung in der Mitte der Galaxie, stehen die Sterne eng beieinander, so dass Planetensysteme kaum eine reelle Chance haben dürften. Je weiter man sich von der galaktischen Ökosphäre entfernt, desto weniger schwere Elemente stehen zur Bildung erdähnlicher Planeten. Zwar mag es durchaus kleine Felskugeln geben, doch diese reichen nicht aus, eine Atmosphäre und damit flüssiges Wasser zu halten. Insgesamt verbleiben von den 20 Milliarden Sternen vom Sonnentypus vielleicht nur 5 Milliarden Sterne übrig, die als Sonnen erdähnlicher Planeten in Frage kommen. Das ist aber immer noch eine beachtliche Zahl. Natürlich müssen sich auch innerhalb eines Sonnensystems nicht nur Planeten innerhalb der Ökosphäre befinden, sondern auch Leben hervorgebracht haben. In unserem Sonnensystem befindet sich die Erde genau in der Mitte der Ökosphäre. Der Sonne vergleichbare Sterne haben eine ähnliche Ökosphäre, und wenn sie, wie beispielsweise die Sterne Epsilon Eridani oder 18 Scorpii, genügend schwere Elemente aufweisen, könnte es dort auch erdähnliche Welten geben. Ob sich dort dann aber auch intelligentes Leben entwickeln muß, ist eine ganz andere Frage. Übrigens hat jeder Stern seine Ökosphäre. Wie weit sie von dem jeweiligen Stern entfernt ist, hängt davon ab, wie groß der Stern ist. Bei Sternen, die kleiner als die Sonne sind, rückt die Ökosphäre dichter heran, bei größeren Sternen entfernt sie sich. Ist die Masse eines Sternes um 17% geringer als die der Sonne, wird es für erdähnliche Planeten problematisch. Dann nähert sich die Ökosphäre dem Stern derart, dass die Gezeitenkräfte zu wirken beginnen. Ähnlich wie der Mond unserer Erde werden Planeten ihren Sternen immer die gleiche Hemisphäre zuwenden, so dass auf der Tagseite ewige Gluthitze herrscht, während die Nachtseite in kosmischer Kälte gefriert. So wird man bei Roten Zwergen wie Lalande 21185 oder Barnard’s Star vergeblich nach erdähnlichen Planeten suchen.

Bei größeren Sternen sind erdähnliche Planeten theoretisch denkbar, jedoch bedeutet jede Massezunahme zugleich eine Verkürzung der Lebenszeit eines Sterns. So beträgt die Lebensdauer von Sirius, der etwa das doppelte der Sonnenmasse hat, nur einige hundert Millionen Jahre, und die des Sterns Rigel im Orion nur einige wenige Millionen Jahre. Gäbe es bei diesen Sternen erdähnliche Planeten, hätte das Leben kaum Zeit, sich dort richtig zu entwickeln. Im übrigen gehen Astronomen davon aus, dass sich bei massereichen, heißen Sternen keine Planetensysteme bilden können, da die intensiven Sternenwinde in der Jugendzeit dieser Sterne die protoplanetare Scheibe ins Weltall zerblasen, bevor sich Planeten formieren können. Zuguterletzt spielt auch der Erdmond eine entscheidende Rolle. Ohne ihn gäbe es weder eine stabile Erdachse noch geregelte klimatische Verhältnisse. Der Mond hat also dem Leben auf der Erde einen entscheidenden Schub gegeben. Der Mond ist aus einer kosmischen Katastrophe vor 4.5 Milliarden Jahren hervorgegangen, als ein etwa marsgroßer Protoplanet mit der Urerde kollidierte, Teile aus der Erdkruste riss, die sich mit den Resten des Planeten zum Mond formten. Derartige Katastrophen haben sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in anderen Sonnensystemen ereignet, nur ob daraus ein weiteres Erde-Mond Paar hervorging, ist derzeit nicht bekannt. Aus diesem Grund ist auch die berühmte Green-Bank Gleichung, die der Radioastronom Frank Drake zu Beginn der 60er Jahre gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern entwickelt hat, im Grunde ohne Wert. Mit dieser Formel wollen SETI-Wissenschaftler belegen, wieviel sendefähige Zivilisationen es derzeit in der Galaxie gibt. Um jedoch zu einer klaren und eindeutigen Aussage zu kommen, bedarf es fester Werte, die sich in die Formel einsetzen lassen. Und daran fehlt es. Im Grunde ist diese Formel nur dazu geeignet, die Glaubensrichtung des jeweiligen Anwenders zu dokumentieren. Wer von einer Galaxie voller Zivilisationen ausgeht, der gelangt auch zu einem hohen Ergebnis. Weniger optimistische Anwender erhalten ganz andere Resultate (ich kam beispielsweise auf 15 derzeit sendefähige Zivilisationen).

8. Wenn sie nicht kommen, dann horchen wir eben ins All, ob sie sich vielleicht melden. Dies ist der Ansatz des SETI-Projekts, das 1960 von dem amerikanischen Radioastronomen Frank Drake ins Leben gerufen wurde und seitdem trotz zahlreicher Höhen und Tiefen besteht. Drake ging von der Annahme aus, außerirdische Zivilisationen, die einen bestimmten technologischen Entwicklungsstand erreicht hätten, würden Radiosignale verwenden – entweder um miteinander zu kommunizieren oder aber um eine Flaschenpost ins All zu senden. Diese Signale müßte man hören können. Also machten Drake und zahlreiche Getreue, darunter Wissenschaftler wie Kent Cullers, Jill Tarter oder Seth Shostak sich an die Arbeit und suchten in immer neuen Projekten den Himmeln nach Signalen Außerirdischer ab – bislang erfolglos. Einzig und allein das mysteriöse “Wow-Signal”, das Jerry Ehman im August 1977 aufzeichnete, schien auf einen künstlichen Ursprung hinzudeuten. Dieses Signal war ein extremes Nahbandsignal, das 30mal stärker als alle Hintergrundgeräusche pulsierte und das sich mit den Sternen bewegte. Das eigentliche Intelligenzmerkmal bestand darin, dass es sich – ähnlich dem Läuten eines Telefons – von selbst an- und ausschaltete, während es sich im Teleskopstrahl befand. Ehman war so beeindruckt davon, dass er “wow” an den Rand des Computerausdrucks schrieb. Leider wiederholte sich das Signal nicht, so dass es als Kuriosum ad acta gelegt wurde. Trotz des optimistischen Ansatzes des SETI-Projekts liegt seine eigentliche Berechtigung wohl eher darin, dass es den Beteiligten interessante Forschungsmöglichkeiten an anderen, “normalen” Objekten im All ermöglicht. Was ist an SETI kritisch? Da wäre zunächst die Annahme, Außerirdische würden Radiosignale senden. Warum sollten sie das tun? Müssen sie sich so verhalten wie wir Menschen, müssen sie die gleiche technische Entwicklung durchlaufen? Außerdem ist das Abhören der Signale trotz der eminent verbesserten Computertechnologie immer noch lückenhaft. So kann beispielsweise ein Signal eingehen, wenn die SETI-Crew gerade beim Kaffeetrinken ist. Oder aber folgendes Beispiel: vor 150 Jahren sendete eine technische Zivilisation auf einem Planeten des Alpha Centauri A Systems ein Signal in Richtung Erde – es kam hier auch an, doch das war 1853 – damals gab es auf der Erde nirgends ein Radioteleskop, so dass das Signal ungehört verhallte. Spekulieren wir weiter, dass sich die Centauri-Zivilisation um 1870 selbst vernichtete in einem Atomkrieg, so dass man sie 1960 nicht mehr abhören konnte. Allerdings versucht SETI das Lückenproblem mit dem Projekt SETI@home zu stopfen – nun beteiligen sich auch gewöhnliche PC’s an der Suche nach dem entscheidenden Signal. Ein weiterer kritischer Punkt ist die Stärke des Signals. Nimmt man an, dass der durchschnittliche Abstand zwischen zwei Zivilisationen mindestens 2000 Lichtjahre beträgt, dann müßte ein Radiosignal, das diese Entfernung ohne größeren Verlust an Informationen überbrücken kann, sehr stark sein. Erforderlich wäre eine erhebliche Energiemenge, um ein solches Signal zu senden. Anderenfalls verlöre sich das Signal alsbald im kosmischen Hintergrundrauschen. So wäre es immerhin denkbar, dass uns schon einige Signale erreicht haben, diese jedoch einfach zu schwach waren, um wahrgenommen zu werden.

Wenn es sie gibt – wie sehen sie aus?

Wenn es Außerirdische gibt – wie sehen sie aus? Wie verhalten sie sich? Haben sie eine Religion, richten sie ihre Gesellschaft nach bestimmten Moralvorstellungen aus? Haben sie eine Sprache? Werden wir sie überhaupt jemals verstehen können?

Über das Aussehen Außerirdischer haben sich die Menschen seit Jahrhunderten Gedanken gemacht. Abgesehen von einigen wirklich phantasievollen Entwürfen glichen die Aliens der Science-Fiction Romane und Filme den Menschen oder waren zumindest mit der irdischen Biologie in irgendeiner Form kompatibel. Doch nichts davon dürfte auf echte Aliens zutreffen. Ihre Natur ist für uns völlig fremd, weil wir noch nichts über sie wissen. Doch zumindest kann man Vermutungen über ihr Aussehen und ihre Denkweise aufstellen. Vieles – aber nicht alles – spricht dafür, dass intelligente Aliens ähnlich aufgebaut sind wie wir Menschen: Vielzellige Landbewohner mit einem Knochengerüst, mindestens zwei Armen und Beinen, Greifwerkzeugen, einer bestimmten Körpergröße (undenkbar sind Zwerg-, aber auch Riesenaliens) und den wesentlichen Sinnesorganen nahe dem Gehirn, um die Reaktionszeiten zu minimieren. Vielleicht werden solche Aliens entfernt humanoid aussehen, keineswegs werden sie aber dem Menschen gleichen: Homo Sapiens Sapiens ist das Produkt der irdischen Evolution, die sich so auf anderen Planeten sicher nicht wiederholt hat. Intelligente Aliens haben ihre eigenen biologischen Merkmale, die sich von den unsrigen unterscheiden. Daher ist eine Paarung zwischen Mensch und Alien, wie man es immer wieder in der SF sieht, unmöglich, ja, es ist sogar fraglich, ob Aliens ein der “Liebe” vergleichbares Gefühl entwickelt haben. Womit wir bei Denkweise und Moral der Aliens wären. Schaut man sich Hollywoodstreifen wie “Independence Day” oder TV-Serien wie “Babylon 5″ an, dann fällt eines auf: Außeriridische denken wie wir Menschen, sie legen Verhaltensweisen an den Tag, die die Menschen – und die Film-Aliens ! – als “gut” oder “böse” bewerten. Der Grund dafür mag der dramaturgische Aufbau der Geschichte sein, er läßt sich aber auch in der Unfähigkeit des Menschen finden, sich eine völlig andersartige Zivilisation vorzustellen. Haben Aliens eine Moral? Möglicherweise: Moralverhalten hat in der menschlichen Gesellschaft die Funktion, das Überleben zu sichern. Denkbar wäre also, dass auch außerirdische Zivilisationen sich von Moralvorstellungen leiten lassen, die primär für sie selbst gelten. Gleiches mag für Religionen gelten. Doch wie diese im einzelnen ausgestaltet sein werden, das läßt sich nicht vorhersagen. Insbesondere läßt sich nicht sagen, ob Aliens, die untereinander zwar ein Moralverhalten an den Tag legen, sich auch uns gegenüber entsprechend verhalten würden. Ein Beispiel aus der Geschichte mag dies belegen: Die japanische Gesellschaft ist von traditionellen Etiketten und Verhaltensregeln geprägt, sie hat die Höflichkeit institutionalisiert. Und doch haben sich japanische Soldaten während des 2. Weltkrieges äußerst brutal gegenüber ihren Kriegsgegnern aufgeführt. Der Grund dafür mag darin liegen, dass sich Japaner außerhalb der von Familie und Gesellschaft vorgegebenen Beschränkungen und der besonderen Situation (Krieg) davon befreit fühlen und sich wie andere Menschen benehmen. Ähnlich mögen sich Außerirdische uns gegenüber verhalten – keine erbaulichen Aussichten.

Resumée Wie man sieht: es gibt gute Gründe, die gegen und für die Existenz außerirdischer Zivilisationen sprechen. Leider steht der erforderliche Beweis bislang aus, doch sollte die Suche keineswegs aufgegeben werden. Falsch wäre es, sich angesichts des ungeheuren Sternenmeers unserer Galaxie auf theoretische Gedankengebäude zu verlassen und von vornherein außerirdische Zivilisationen pauschal abzulehnen oder zu befürworten. Vielleicht werden uns die geplanten Projekte der NASA einen Schritt näher bringen – wenn die Nachfolger des Hubble Space Telescope mit ungleich schärferen Augen ihre Beobachtung aufnehmen und erdgroße Planeten bei Nachbarsternen entdecken können. Wissenschaftler der NASA planen sogar, eine Spektralanalyse des Lichts dieser Planeten durchzuführen, um die Zusammensetzung der Atmosphäre zu bestimmen. Vielleicht entdeckt man auch auf diesem Wege eine zweite Erde, zu der wir eines fernen Tages Robotersonden schicken werden, um sie näher zu erforschen. Ich möchte mit einem Zitat von Seth Shostak schließen*:

“Wer behauptet, der Mensch sei allein und die Suche nach anderen Zivilisationen sei von vornherein zum Scheitern verurteilt, läßt keinen Spielraum, keine Manövrierfläche. Schließt man sich dieser Vermutung an und verzichtet auf die Suche nach kosmischen Nachbarn, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie auch nicht gefunden werden. Die Vermutung erfüllt sich dann selbst. Setzt man andererseits trotz dieser pessimistischen Annahme die Suche fort, erhöht sich zumindest die Wahrscheinlichkeit, dass – falls die Vermutung falsch sein sollte – letztendlich bewiesen werden kann, dass sie falsch ist: indem man nämlich Außerirdische findet.”

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